Dem Himmel gleicht sein bunt=gestrimter Rücken,

den Regen=Bögen ohne Zahl

Als lauter Gnaden=Zeichen schmücken;

Die (da die Sünd=Fluht unsrer Schuld verseiget)

Der holden Liebe Sonnen=Strahl

In seines Blutes Wolken zeiget.

 

Jesu, dich mit unsern Seelen

Zu vermählen,

Schmiltzt dein liebend Herz vor Liebe:

Ja du giessest in die Glut

Statt des Öls für heisse Triebe

Dein von Liebe wallend Blut.

 

Mein Heiland, Herr und Fürst!

Da Peitsch und Ruten dich zerfleischen,

Da Dorn und Nagel dich durchbohrt:

Sagst du ja nicht ein eintzig Wort:

Itzt hört man dich zu trincken heischen,

So wie ein Hirsch nach Wasser schreit.

Wonach mag wohl den Himmels=Fürsten,

Des Lebens=Wassers Quelle, dürsten?

Nach unser Seelen Seligkeit!

 

Barthold Heinrich Brockes  (1680-1747)